Seine Arbeit

 

 

Schuldentlastung der Altendiezer nach dem II. Weltkrieg durch Anton Krebs:

Nach dem Ende des Dritten Reiches wurden von den Besatzungsmächten Fragebögen ausgeteilt, – die sogenannten Entnazifizierungsbescheide. Diese fragten unter anderem nach Dingen wie einer Parteimitgliedschaft, einer Beteiligung in SS, SA oder anderen militärischen Gruppen sowie nach dem generellen Ableisten des Militärdienstes. Darüber hinaus enthielten die Bescheide Fragen zu Wohnsitz, Einkommen, Beruf und Bekannten. Durch all diese Informationen wurden die Bürger in Gruppen eingeteilt. Diese reichten von Unbeteiligten bis zu Hauptschuldigen. Je nach Einstufung drohten Verfahren. Hauptschuldigen drohten beispielsweise mehrjährige Haftstrafen.

In diesen Bescheiden bestand jedoch die Möglichkeit, dass Bekannte oder Vertreter durch eine Erklärung bestätigen konnten, dass die Beschuldigten unschuldig seien. So konnte Anton Krebs viele Altendiezer Bürger vor Verfahren bewahren, da die Entnazifizierungsbescheide nicht berücksichtigten, dass einige nicht aus Überzeugung, sondern unter Druck gehandelt hatten.

Er beschrieb die Menschen oft als tüchtig und loyal und erläuterte ihre Situation während des Krieges sowie seinen persönlichen Bezug zu ihnen. Damit versuchte er, sie so darzustellen, wie sie tatsächlich waren – und nicht, wie sie eingestuft worden wären.

So revanchierte sich Anton Krebs dafür, dass die Altendiezer ihn nicht an die Nationalsozialisten ausgeliefert hatten.

Mustererklärung Altendiez

Im Wortlaut von Anton Krebs und aus dessen Erklärungen zusammengefasst und niedergeschrieben:

Kein Altendiezer Bürger trug zur Zeit des Zweiten Weltkrieges Schuld an den Verbrechen der Nationalsozialisten. Viele waren zwar PGs (Parteigenossen der NSDAP), traten aber meist aus Angst oder unter Druck bei. Auch bekleideten einige Bürger höhere NS-Positionen in der Verbandsgemeinde, z. B. als Propagandawart, gaben sich jedoch nicht als solche zu erkennen oder erfüllten nur die ihnen vom Staat zugewiesenen Aufgaben – ohne Übereinstimmung mit den Ansichten der Nationalsozialisten.

Die Bürger im Lehramt an der hiesigen Volksschule unterschieden nicht zwischen Kindern anderer Abstammung oder Kindern von Antifaschisten und beeinflussten ihre Schüler auch nicht durch Propaganda oder Einschüchterung.

Einige Bürger waren zwar überzeugte Nationalsozialisten, behandelten jedoch die Altendiezer stets respektvoll und gut. Auch sie trifft keine individuelle Schuld an der gesamten Situation im Dritten Reich.

Jeder Bürger – egal, ob er unter Druck oder aus freien Stücken gehandelt hat – war Mensch.

Dieser Text wurde ausschließlich anhand der vorliegenden Quellen verfasst.

Quellenmaterial: Anton Krebs

Erklärung 10

“Ich erkläre, daß ich als Antifaschist

stets in strenger Weise im Kampf stand,

wie es die Partei vorschrieb, und wir uns                                                                                                                    entsprechend auseinandersetzten.                                                                      [Name] war dabei nie fanatisch oder gehässig, sondern ruhig.
                     

So vertraten wir unseren Standpunkt.

Auch bei der Machtübernahme durch Hitler                                                      im Jahre 1933 war [Name] der mich in

Altendiez als alten Sozialdemokraten kannte.                                                                                                                         Auch war er es, der mich vor dem

Terror der SA schützte, als viele überfallen,

in Autos gesteckt, geschlagen und

getreten wurden.

Er erzählte damals, dass da Auto mit SA-Leuten

in Altendiez unter den

alten Sozialdemokraten

aufräumen sollte – so wie es auch in

Freiendiez/Diez geschah.

Auch in der Zeit, als ich unter

Polizeiaufsicht stand, ich nie den Hitlergruß erwiderte und nie an einer NS-Feier

teilnahm, verhielt er sich

mir gegenüber niemals wie ein Anhänger

der NS-Partei.

Gegen mich, ja sogar gegen meine Familie,

war er nie gehässig, sondern immer ein anständiger Mensch.”

Quelle: Erklärung 10 Anton Krebs direkte Nachkriegszeit

„War Mensch“ – Anton Krebs

Anton Krebs sah die Menschen nicht nach ihrer politischen Einstellung oder Zugehörigkeit, sondern nach ihrer Person. Obwohl er selbst durch die Nationalsozialisten seinen politischen Sitz und somit seinen Beruf verlor, blieb er der Gemeinde Altendiez und vor allem ihren Bürgern treu – genauso wie die Bürger ihm.

Während des gesamten nationalsozialistischen Regimes schützten sie ihn vor der Verfrachtung in Konzentrationslager und vor Angriffen durch die SA. Nach dem Zerfall des Dritten Reiches und der Besatzung durch Frankreich spielte Anton Krebs eine wichtige Rolle darin, für die angeklagten Nationalsozialisten aus Altendiez ein gutes Wort einzulegen und diese somit zu entlasten. Hierbei bezog er sich meist auf die guten Taten der Bürger vor der Kriegszeit oder fand andere Wege, sie zu entlasten.

Der zentrale Punkt jedoch, der in fast jedem seiner Dokumente zu finden war, besagte, dass die jeweils genannte Person – selbst in Anbetracht ihrer Taten – immer noch ein Mensch war.

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